Stellungnahme zur geplanten Erweiterung des Einkaufszentrums in der Gartenstraße

Stellungnahme zur geplanten Erweiterung des Einkaufszentrums in der Gartenstraße

Der Gewerbeverein verfolgt die aktuellen Entwicklungen und Berichte zur geplanten Erweiterung des Einkaufszentrums in der Gartenstraße mit großem Interesse. Gleichzeitig sehen wir uns in der Verantwortung, die möglichen Auswirkungen eines solchen Vorhabens auf die gesamte Innenstadt und den Wirtschaftsstandort sorgfältig zu bewerten.

Grundsätzlich stehen wir Investitionen positiv gegenüber, die zur Stärkung und nachhaltigen Entwicklung unseres Wirtschaftsstandortes beitragen. Eine Erweiterung darf jedoch nicht isoliert betrachtet werden. Entscheidend ist, dass sie einen tatsächlichen Mehrwert für die gesamte Innenstadt schafft und bestehende Strukturen stärkt, anstatt zusätzliche Konkurrenz oder neue Leerstände zu erzeugen.

Einbindung und Stärkung der Innenstadt

Unsere Innenstadt befindet sich derzeit in einer anspruchsvollen Entwicklungsphase. Leerstände, verändertes Einkaufsverhalten und wirtschaftliche Herausforderungen stellen Handel, Gastronomie und Dienstleistungsunternehmen zunehmend vor große Aufgaben.

Vor diesem Hintergrund muss eine mögliche Erweiterung des Einkaufszentrums in der Gartenstraße so gestaltet werden, dass sie die Innenstadt unmittelbar stärkt und zusätzliche Besucherfrequenz in den gesamten Innenstadtbereich lenkt. Ziel darf nicht sein, einen eigenständigen Einkaufsstandort zu schaffen, der Besucherinnen und Besucher von der Innenstadt fernhält. Vielmehr muss eine sinnvolle Verbindung zwischen der Gartenstraße und dem historischen Stadtzentrum entstehen.

Sortimentsklarheit und Vermeidung weiterer Leerstände

Um eine Verdrängung oder Kannibalisierung bestehender Handelsstrukturen zu vermeiden, ist eine klare und abgestimmte Sortimentsgestaltung erforderlich. Neue Angebote sollten bestehende Unternehmen sinnvoll ergänzen und nicht unmittelbar mit ihnen konkurrieren.

Besonders kritisch sehen wir die Schaffung weiterer kleiner Gewerbeflächen, während gleichzeitig bereits Leerstände in der Innenstadt und auch im Bereich der Gartenstraße vorhanden sind. Es wäre aus unserer Sicht kontraproduktiv, neue Flächen zu schaffen, während bestehende Gewerbeimmobilien ungenutzt bleiben.

Neue Kapazitäten dürfen daher nicht bestehende Strukturen gefährden oder zusätzliche Leerstände verursachen. Vielmehr sollte zunächst geprüft werden, wie vorhandene Flächen sinnvoll genutzt und in ein Gesamtkonzept eingebunden werden können.

Parkraum-Management und Zusammenarbeit mit der Firma Saller

Ein zentraler Faktor für die erfolgreiche Verknüpfung der Gartenstraße mit dem historischen Stadtzentrum ist die Erreichbarkeit. Besucherinnen und Besucher müssen unkompliziert erkennen können, dass die Innenstadt in unmittelbarer Nähe liegt und gut erreichbar ist.

Aus unserer Sicht sind daher eine klare, gut sichtbare und einheitliche Beschilderung in Richtung Innenstadt sowie eine kundenfreundliche Nutzung der vorhandenen Parkflächen unverzichtbar. Ziel sollte es sein, dass Besucherinnen und Besucher des Einkaufszentrums gleichzeitig die Möglichkeit erhalten, die gesamte Innenstadt zu nutzen und dort einzukaufen, gastronomische Angebote wahrzunehmen oder weitere Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen.

Mit Sorge betrachten wir in diesem Zusammenhang die bisher schwierige Kommunikation hinsichtlich einer Verlängerung der bestehenden Parkzeiten mit der Firma Saller. Insbesondere die hohen Vertragsstrafen bei geringfügigen Überschreitungen der Parkdauer wirken auf viele Besucherinnen und Besucher abschreckend und stehen einer positiven Aufenthaltsqualität entgegen.

Vor diesem Hintergrund stellt sich aus unserer Sicht die berechtigte Frage, inwieweit eine weitere Bereitstellung oder Entwicklung von Flächen erfolgen sollte, ohne dass gleichzeitig verbindliche Regelungen geschaffen werden, die einen tatsächlichen Nutzen für die gesamte Innenstadt sicherstellen.

Aus diesem Grund sollten Genehmigungen für zukünftige Projekte aus unserer Sicht an klare und verbindliche Auflagen geknüpft werden. Diese müssen sicherstellen, dass die Entwicklung nicht ausschließlich einem einzelnen Standort zugutekommt, sondern nachweislich zur Stärkung der Innenstadt, zur Verbesserung der Besucherfrequenz und zur nachhaltigen Entwicklung des gesamten Wirtschaftsstandortes beiträgt.

Fazit

Der Gewerbeverein begrüßt grundsätzlich Investitionen und Entwicklungen, die unseren Wirtschaftsstandort stärken. Eine Entwicklung der Flächen in der Gartenstraße kann eine Chance für die Stadtentwicklung darstellen – allerdings nur dann, wenn sie sinnvoll in ein übergeordnetes Gesamtkonzept eingebunden wird.

Dabei müssen insbesondere die Auswirkungen auf bestehende Unternehmen, die Vermeidung zusätzlicher Leerstände, eine klare Sortimentsabgrenzung sowie eine funktionierende Verbindung zwischen der Gartenstraße und der historischen Innenstadt berücksichtigt werden.

Entscheidend ist aus unserer Sicht, dass neue Entwicklungen nicht zu einer Schwächung bestehender Strukturen führen, sondern einen messbaren und nachhaltigen Mehrwert für die gesamte Innenstadt schaffen.

Foto: Peter Riecke

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